Vor zwölf Jahren wurde Prospero, Herzog von Mailand, von seinem Bruder Antonio gestürzt und mit seiner kleinen Tochter Miranda auf einem morschen Boot ausgesetzt. Beide überlebten und leben seither auf einer Insel, deren einzige weitere Bewohner der Luftgeist Ariel und Caliban sind – Letzterer der Sohn der Hexe, die vor ihnen dort herrschte, von Prospero unterworfen und zur Arbeit gezwungen.
Als ein Schiff mit Antonio, dem König von Neapel und dessen Gefolge in Sichtweite kommt, lässt Prospero durch Ariel einen Sturm aufziehen. Die Schiffbrüchigen werden getrennt an Land gespült, und jede Gruppe glaubt sich als einzige gerettet. Was folgt, läuft auf mehreren Ebenen zugleich: Ferdinand, der Sohn des Königs, verliebt sich in Miranda, die noch nie einen anderen Menschen als ihren Vater gesehen hat; die Höflinge schmieden neue Mordpläne; zwei betrunkene Bedienstete lassen sich von Caliban zu einem Aufstand überreden. Prospero zieht die Fäden – bis er sich entscheidet, seine Feinde nicht zu bestrafen, sondern ihnen zu vergeben, seinen Zauberstab zu zerbrechen und seine Bücher zu ertränken.
»Der Sturm« ist eines von Shakespeares letzten Stücken und wird oft als sein Abschied von der Bühne gelesen. Neben dem Zauber und der Komik trägt es einen harten Kern: die Frage nach Herrschaft, nach Unterwerfung und danach, was Vergebung kostet. Calibans Rolle hat dem Stück im 20. Jahrhundert eine ganze koloniale Lesart eingetragen.
Diese Ausgabe druckt den englischen Originaltext und die deutsche Übersetzung von August Wilhelm Schlegel im Parallelsatz – Seite für Seite nebeneinander. Sie eignet sich damit für Leserinnen und Leser, die das Original lesen wollen, ohne den Anschluss zu verlieren.